Tipps & Tricks: Anonym im World Wide Web – so gut es geht

cookieDas ist euch sicher auch schon passiert: Gestern habt ihr im Online-Shop eures Vertrauens nach neuen Büchern gestöbert und heute seht ihr auf einer völlig anderen Webseite Werbung für genau diese oder ähnliche Lektüren. Wer sich dabei beobachtet fühlt, hat jeden Grund dazu. Die Internet-Werbeindustrie ist mittlerweile gut vernetzt und erkennt, wer gerade auf einer Webseite zu Besuch ist und auf bestimmte Anzeigen potenziell besser reagiert.

Was für Bücher gilt, gilt natürlich auch für alle anderen Waren, die man im Internet kaufen kann – seien es CDs, Videospiele, Zubehör fürs Auto, Werkzeuge für den Garten oder einfach nur Häkeldeckchen. Doch wie erkennt die Webseite, auf der ihr gerade unterwegs seid, für welche Dinge ihr euch interessiert? Und vor allem: Wie könnt ihr etwas dagegen tun?

Anonymität im Web? Nicht von Haus aus!

Es gibt für Werbetreibende und Anbieter von Webseiten viele Möglichkeiten, eure Spuren im Internet zu verfolgen und zu wissen, von welcher Webseite ihr gerade kommt und – wenn es ein Online-Shop ist – welche Waren ihr euch dort angesehen habt. Meistens kommen dabei Cookies zum Einsatz. Bei diesen „Keksen“ handelt es sich um Dateien, die eine Webseite auf der Festplatte eures Rechners ablegt und darin Informationen speichert – etwas, welche Artikel ihr euch im Shop angeschaut haben. Diese Cookies erkennt eine andere Webseite wieder, die den gleichen Anzeigenverwalter beauftragt hat und die den Cookie ausliest. Ergebnis: Webseite B zeigt Artikel im Webebanner an, die ihr euch im Shop A angeschaut haben – oder vielleicht auch passendes Zubehör bzw. ähnliche Dinge.

Neben den normalen, den so genannten HTTP-Cookies, gibt es aber auch noch so genannte Flash-Cookies, oder die Möglichkeiten, Informationen im Cache, in der History/Chronik (Liste der Seiten, die ihr besucht habt) und vielen anderen Bereichen zu speichern, die der Browser bei der Anzeige einer Webseite empfängt und lokal ablegt. So genannte Evercookies machen sich dies zu Nutze und rekonstruieren Informationen aus verschiedenen Bereichen, die nie oder nur selten gesäubert werden, um zum Beispiel einen normalen Cookie wiederherzustellen, der – je nach Browsereinstellungen – vielleicht oft gelöscht wird. So werdet ihr bzw. wird euer Browser noch wiedererkannt, selbst wenn ihr glaubt, alle verräterischen Spuren weggewischt zu haben.

Natürlich ist das reine Tracking (so nennt man die Verfolgung eurer Spur durchs Web) an sich noch kein wirklicher Einschnitt in eure Privatsphäre. Immerhin weiß der Webseiten-/Werbebetreiber nicht, wer gerade genau vor dem PC sitzt und einen virtuellen Einkaufsbummel macht; ein Cookie identifiziert zunächst nur den Browser, nicht den Menschen. Doch sobald ihr in diesem Browser eure Identität preisgebt, können eure Person und die Infos, für welche Dinge ihr euch interessiert, verknüpft werden. Und das passiert zum Beispiel immer dann, wenn ihr euch irgendwo einloggt. Etwa bei Facebook oder anderen Plattformen, die persönliche Details über euch gespeichert haben.

So geht’s: Anonym durchs Web

Vollständig anonym im Internet unterwegs zu sein, ist zwar nicht unmöglich, aber doch schwierig – und erfordert eine Menge Disziplin. Teilweise kann sogar der Komfort darunter leiden und das unerkannte Surfen tatsächlich anstrengend werden. Deswegen versuche ich, euch hier einen Kompromiss zwischen Anonymität und Komfort zu vermitteln. Denn wenn ihr vor lauter Frust über regelrechte Klickorgien die Flinte bald wieder ins Korn werft, ist eure Anonymität im Web ganz dahin. Das nützt dann gar nichts.

In diesem Fall setze ich Firefox ein, der nicht nur der beliebteste Browser Deutschlands ist, sondern auch viele Einstellungen und Erweiterungen bietet, die dem Schutz der Privatsphäre im Internet dienen. Ich beziehe mich auf die aktuelle Version 7, die auch aus sicherheitstechnischen Gründen zu empfehlen ist: Aktuelle Software enthält meist weniger Sicherheitslücken. Den Download findet ihr auf www.mozilla.org/de/firefox.

Einstellungen im Browser: Klickt auf den Firefox-Button links oben und öffnet die Einstellungen. Dort klickt ihr auf „Datenschutz“ und wählt aus dem Menü „Chronik/Firefox wird eine Chronik:“ den Eintrag „nach benutzerdefinierten Einstellungen anlegen“. Setzt anschließend einen Haken vor „Permanenter privater Modus“. Damit verweigert ihr die Speicherung einer History und Download-Chronik sowie von Formulardaten und Suchbegriffen, die ihr in das Suchfeld eingegeben habt. Die Option „Cookies akzeptieren“ solltet ihr hingegen aktiviert lassen. Darum kümmert sich die Erweiterungen Cookie Monster (s.u.).

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Cookie Monster installieren: Die Erweiterung Cookie Monster (Download) kümmert sich um die Verwaltung von Cookies. Denn oft genug setzen Webseiten voraus, dass sie ein Cookie setzen dürfen, bevor sie ihre Dienste anbieten. Prominenten Beispiel: Facebook – ohne Cookie kein Login. Mit Cookie Monster könnt ihr Cookies temporär zulassen. In den Einstellungen für das Add-On aktiviert ihr die Optionen „Alle Cookies blockieren“ und „Kontextmenüeintrag für Cookie Monster anzeigen“. Danach besucht ihr die besagte Seite – etwa facebook.com – und macht einen Rechtsklick. Wählt aus dem Kontextmenü den Eintrag „Hallo Cookies/Erlaube Cookies temporär“. Ihr könnt euch dann einloggen bzw. die Webseite normal nutzen. Nach einem Neustart des Browsers ist der Cookie aber wieder weg.

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Überflüssige Erweiterungen deinstallieren: Plug-ins für Java und Silverlight werden nur selten benötigt. Es gibt nur wenige Webseiten, die diese Techniken zwingend voraussetzen. Da sie aber auch gerne dazu genutzt werden, Informationen auf der Festplatte des Nutzers abzulegen und damit auch zu Verfolgung geeignet sind, solltet ihr sie zumindest deaktivieren. Das geht im Add-On-Menü von Firefox.

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NoScript installieren: JavaScript macht Webseiten interaktiv und modern. Doch wird die Programmiersprache auch dazu genutzt, Daten auf der Festplatte abzulegen. Damit sie das nicht völlig unkontrolliert tut, installiert ihr die Erweiterung NoScript (Download). Sie sorgt dafür, dass zunächst einmal alle JavaScript-Aktivitäten unterbunden werden. Da aber viele Webseiten ohne JavaScript nicht mehr korrekt dargestellt werden, könnt ihr die Skripte über den Button „Einstellungen“ temporär erlauben. Achtet aber darauf, aus dem Kontextmenü nur die Adresse auszuwählen, auf der ihr euch gerade tatsächlich befindet, und nicht so etwas wie „doubleklick.net“ oder „googlesyndication.com“. Dabei handelt es sich um Skripte von Werbe- und Analyse-Tools. Auch hier gilt wieder: Nach einem Browser-Neustart wird JavaScript wieder blockiert. Webseiten, die ihr häufig besucht und denen ihr vertraut, könnt ihr dauerhaft freischalten.

Übrigens: NoScript blockiert auch Java- und Silverlight-Objekte, so dass ihr die entsprechenden Erweiterungen nicht unbedingt löschen müsst (s.o.).

RefControl installieren: Klickt ihr auf einen Link, der zu einer externen Webseite führt, erfährt diese Webseite in der Regel, von wo ihr gerade kommt. Das zu unterbinden gehört ebenfalls zum anonymen Surfen. Installiert die Firefox-Erweiterung RefControl (Download) und öffnet deren Einstellungen. Dort klickt ihr auf „Bearbeiten“ und aktiviert die Optionen „Blockieren – keinen Referer senden“ sowie „Aktion gilt nur für Links zu anderen Domains“.

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Caching abschalten: Wer noch einen Schritt weiter gehen will, schaltet auch noch den Browser-Cache ab. Diesen Speicher nutzt der Browser normalerweise, um bestimmte Inhalte wie etwa Bilder abzuspeichern. Besucht ihr eine Webseite ein zweites Mal, müssen diese Inhalte nicht noch einmal heruntergeladen werden. Doch der Cache lässt sich auch zur Identifizierung eines Browser nutzen. Könnt ihr also auf den Geschwindigkeitsvorteil durch Caching verzichten, schaltet es ab. Tippt dazu in der Adresszeile von Firefox den Befehl „about:config“ ein. Sucht in der Liste die Einträge „browser.cache.disk.enable“ sowie „browser.cache.memory.enable“ und setzt sie per Doppelklick auf „false“.

anonym-cache

Ihr seht, dass Anonymität im Netz etwas Vorbereitung und vor allem Disziplin im Alltag erfordert. Mit den genannten Einstellungen und Hinweisen haltet ihr eure Verfolger im Web aber zumindest auf Abstand. Welche Maßnahmen ergreift ihr zum Schutz eurer Privatsphäre im Netz? Ich bin gespannt, eure Tipps und Tricks zu hören. 

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240 Antworten auf Tipps & Tricks: Anonym im World Wide Web – so gut es geht

  1. Die genannten Tools verhindern noch nicht das Tracken durch sogenannte Web-Bugs. Hier werden Bilder von fremden Servern geladen, welche dann z.B. alle Besucher „zählen sollen“. Hier kann ich z.B. die Erweiterung Ghostery (http://www.ghostery.com/) empfehlen!
    Des weiteren kann Tor (http://www.torproject.org/) selbst der angeforderten Seite einen falschen Absender vorgaukeln und anonymisiert somit den realen User.

    So long…

  2. Die genannten Tools verhindern noch nicht das Tracken durch sogenannte Web-Bugs. Hier werden Bilder von fremden Servern geladen, welche dann z.B. alle Besucher „zählen sollen“. Hier kann ich z.B. die Erweiterung Ghostery empfehlen!
    Des weiteren kann Tor selbst der angeforderten Seite einen falschen Absender vorgaukeln und anonymisiert somit den realen User.

    So long…