Grooveshark vs. Simfy: Musik streamen statt kaufen

Schallplatte, Kassette, CD, MP3-Downloads – die Evolution der Medien, mit denen wir Musik konsumieren, schreitet unaufhörlich fort. Und auch hier spielt das Internet die entscheidende Rolle und ist für die nächste Stufe verantwortlich: Streaming-Dienste, die den Kauf von CDs und sogar den Download von MP3s überflüssig machen.

Technisch gesehen ist natürlich auch Streaming eine Art von Download. Aber anders als etwa beim Kauf von Songs über iTunes oder Amazon, müssen wir das Lied nicht erst vollständig herunterladen, um es zu hören. Und anders als bei allen anderen Arten des Musikkonsums sind wir bei der Auswahl der Musik nicht darauf beschränkt, welche CDs oder MP3s wir gerade in dem Augenblick besitzen, in dem wir Musik hören wollen. Streaming-Dienste wie Grooveshark und Simfy stellen Millionen von Songs jederzeit bereit. Einzige Voraussetzung ist ein Internetanschluss. Aber in bestimmten Fällen können wir sogar auf diesen verzichten.

Aber der Reihe nach: Das Prinzip von Simfy und Grooveshark gleichen sich im Grunde genommen sehr. Zumindest für den Anwender, der auf der Suche nach kostenloser Musik ist. Auf www.simfy.de oder www.grooveshark.com tippt ihr in das Suchfeld den Namen des Interpreten oder Liedes ein, den oder das ihr hören wollt. Ist es im Bestand des jeweiligen Dienstes vorhanden, was bei fast allen populären und aktuellen Songs und Künstlern der Fall ist, werden euch die Treffer aufgelistet. Ihr könnt diese nun mit einem Klick auf den Play-Button in eure Abspielliste übernehmen. Die Wiedergabe startet sofort. Auf beiden Seiten findet ihr die Abspielliste am unteren Rand des Browser-Fensters. Unter Simfy müsst ihr diese noch ausklappen, indem ihr auf den blau-weißen Pfeil klickt. Hier findet ihr – anders als bei Grooveshark – schon einige weitere Einträge, die die Betreiber von Simfy wohl besonders promoten wollen. Ihr könnt diese aber problemlos aus der Abspielliste löschen. Darüber hinaus könnt ihr sowohl bei Simfy wie auch bei Grooveshark diese Liste neu sortieren, Songs rausschmeißen, alle Lieder in Endlosschleife oder in zufälliger Reihenfolge abspielen lassen. Hier unterscheiden sich die Angebote nicht allzu stark von einem MP3-Player.

Hörgenuss wie von CD

Was die Song-Qualität angeht, bin ich mit beiden Anbietern zufrieden. Die Stücke sind als MP3 mit einer Qualität von maximal 192 Kilobit pro Sekunde abgespeichert. Das ist für die meisten Zwecke völlig ausreichend, und die allermeisten Menschen werden keinen Unterschied zu einer CD wahrnehmen können. Was die Quantität angeht habe ich festgestellt, dass hier Grooveshark die Nase vorne hat. Vor allem bei etwas ausgefalleneren Songs abseits von Mainstream, Charts und Kult liefert Grooveshark im Zweifelsfall eher einen Treffer. Das liegt aber auch am Konzept, das dahinter steht – und damit bewegt sich Grooveshark in einer sehr grauen Grauzone. Denn die Musik, die die Webseite als Streams anbietet, wird von den Anwendern selbst bereit gestellt. Diese können ihre Musiksammlung komplett auf die Server von Grooveshark übertragen. Offiziell argumentieren die Betreiber damit, dass man so seine eigene Musik immer und überall zur Verfügung hat. Der eigentliche Hintergedanke dürfte aber wohl ein anderer sein. Denn die Uploads werden automatisch allen Grooveshark-Nutzern zum Anhören angeboten. Dass das nicht im Sinne der Urheber und Lizenzinhaber ist, dürfte einleuchten. Ärger gab es deswegen schon häufiger, passiert ist bislang nicht viel – noch.

Rechtliche Frage (un)geklärt

Der deutsche Dienst Simfy ist hingegen völlig legal. Und darauf weist die Webseite auch immer wieder hin, um sich wohl auch von der nicht ganz so legalen Konkurrenz abzusetzen. Simfy arbeitet mit Musiklabels und Rechteinhabern sowie der GEMA zusammen, um die Songs völlig legal anbieten zu können. Ein Pluspunkt für Simfy – ohne jede Frage. Allerdings hat das auch zur Folge, dass man noch lange nicht jedes Stück findet. Hier ist der Ehrliche wohl tatsächlich der Dumme und hat quantitativ das Nachsehen gegenüber Horden von Benutzern, die ihre MP3s auf Grooveshark zur Verfügung stellen – mit einem mehr als faden Beigeschmack. So traurig das klingt, kann es dem Benutzer selbst erst einmal egal sein. Er geht dahin, wo er die meisten Lieder bekommt.

Nachteil auf Seiten von Grooveshark ist aber die damit einhergehende Unordnung: Wenn 30 Menschen 30 Mal „Final Countdown“ von Europe hochladen, tauchen diese auch alle auf, wenn man danach sucht. So hat man immer eine ellenlange Trefferliste – gerade bei populären Songs –, obwohl man nur nach einem einzigen Lied sucht. Bei Simfy sieht das ganz anders aus, was kein Wunder ist: Hier wird der Musikbestand von den Betreibern gepflegt und nicht von den Anwendern selbst.

Was auch sehr nett ist: Beide Provider bieten Web-Radio an. Bei Grooveshark gebt ihr einfach an, welche Musikrichtung ihr hören wollt – etwa Alternative, Folk, Metal, R&B oder 80s – und schon füllt sich die Abspielliste wie von Geisterhand mit passenden Songs. So könnt ihr nahezu endlos zufällig ausgewählte Musik hören, die trotzdem eurem Geschmack entspricht. Bei Simfy ist es ähnlich: Hier wählt ihr einen Sänger oder eine Band aus, und die Abspielliste wird mit Liedern dieses Interpreten und weiteren Künstlern bestückt, die musikalisch dazu passen. Auch hier hat das Hörvergnügen anschließend kein Ende. Auf diese Weise lernt ihr auch schnell neue Bands und Sänger kennen, die ihr noch nicht kanntet.

Kostenlos vs. Premium

Sowohl Simfy und Grooveshark sind zunächst einmal kostenlos. Wer allerdings unbegrenzt Musik hören will, muss bei Simfy nach etwa sieben gehörten Stücken ein Konto anlegen. Aber auch das ist grundlegend kostenlos. Auch bei Grooveshark könnt ihr euch ein Konto zulegen und damit wie bei Simfy Abspiellisten speichern, um diese später wieder aufzurufen. Darüber hinaus gibt es aber auch kostenpflichtige Angebote: Simfy bietet ein so genanntes Premium-Paket an. Es kostet 9,99 Euro pro Monat (alternativ 27,99 Euro/90 Tage, 53,99 Euro/180 Tage, 99,99 Euro/Jahr) und befreit die Webseite zum einen von Werbung, die nicht-zahlende Nutzer hin und wieder sehen müssen. Viel attraktiver ist allerdings das Angebot, Musik auch ohne Internetverbindung hören zu können.

Dafür installieren sich Premium-Kunden die Desktop-Software von Simfy und laden Musik auf ihren Computer. Simfy spricht zwar nicht von Download, sondern von „offline verfügbar machen“, aber technisch gesehen ist es nichts anderes. Auch wenn der Download im Hintergrund geschieht und vielleicht nicht als solcher zu erkennen ist. Auf diese Weise lässt sich auch das Smartphone – Simfy unterstützt iPhone und diverse Android-Geräte – mit Musik füllen. So hört ihr auch unterwegs und ohne Verbindung ins Netz eure Simfy-Musik. Ihr müsst dafür die entsprechende App installieren.

Grooveshark bietet zwei kostenpflichtige Pakete an. Zum einen gibt es Grooveshark Plus für 6 Dollar pro Monat. Hier stellt sich allerdings die Frage, ob das nicht rausgeworfenes Geld ist. Denn das Plus-Paket hat nicht viel zu bieten: Ihr nutzt Grooveshark ohne Werbung (die sowieso nicht besonders stört), könnt eine Desktop-Software installieren statt die Webseite zu nutzen, könnt die Web-Oberfläche mit Designs neu gestalten und erhaltet bevorzugten Support vom Anbieter. Da ist Grooveshark Anywhere schon interessanter. Dieses Paket kostet 9 Dollar pro Monat, bietet alle Vorteile von Grooveshark Plus und darüber hinaus – ähnliche wie bei Simfy – den mobilen Zugriff via Smartphone von unterwegs. Bei einer Verbindung ins Netz greift ihr auf den kompletten Grooveshark-Bestand zu und könnt auch Abspiellisten, die ihr am Rechner erstellt habt, importieren. Ohne Internetzugang könnt ihr ebenfalls Musik hören, wenn ihr sie vorher auf euer Smartphone heruntergeladen haben.

Die kostenpflichtigen Angebote von Grooveshark und Simfy gleichen sich sehr. Jetzt kommt jedoch das große ABER: Grooveshark bietet keine App fürs iPhone mehr an. Der Grund: Apple hat die App aus dem App Store geworfen, weil sich ein Musiklabel darüber beschwert hatte. Nun rächt es sich vielleicht, dass Grooveshark am Rande der Legalität operiert. Für andere Plattformen wie Android, BlackBerry, Palm/WebOS und Symbian gibt es Apps. Das liegt aber nur daran, dass man hier auch Software ohne den Weg über den offiziellen App Store installieren kann. Auf dem iPhone geht das nur, wenn man es knackt (Jailbreak). Dann kann man sich die App bei Grooveshark herunterladen und manuell installieren. Das Risiko geht aber bestimmt nicht jeder iPhone-Besitzer ein, weil auf diese Weise die Garantie für Apples Smartphone erlischt.

Schwedische Konkurrenz ohne Einreiseerlaubnis

Aus Schweden kommt ein weitere Dienst, der Musik als Stream anbietet. Er heißt Spotify und hat laut eigenen Angaben 13 Millionen Lieder im Repertoire. Das sind immerhin fünf Millionen mehr als Simfy angibt. Auch hier geht alles mit erlaubten Dingen vor, denn die Betreiber von Spotify setzen ebenfalls auf offizielle Verträge mit Rechteinhabern. Allerdings gibt es zwei Nachteile: Zum einen ist Spotify derzeit in Deutschland noch nicht verfügbar, da angeblich die Forderungen der GEMA zu hoch sind. Zum anderen ist die kostenlose Nutzung stark eingeschränkt. Wer nicht zahlt, darf maximal zehn Stunden pro Monat Musik hören und jedes Lied nur fünf Mal. Wem das nicht genügt, muss entweder 5 Euro für einen so genannten Unlimited-Account zahlen oder greift gleich zum Premium-Angebot für 9,99 Euro. Letzteres schließt auch die Möglichkeit ein, Musik ohne Internetverbindung zu hören. Aber solange Spotify hierzulande noch nicht genutzt werden kann/darf, ist es eher uninteressant – auch wenn es sich sehr attraktiv anhört.

Fazit

Alleine aus Gründen der Moral und Fairness ist die Nutzung von Simfy vorzuziehen: Der Anbieter arbeitet vernünftig mit den Musiklabels und Verwertungsgesellschaften zusammen und bietet die Songs legal an. Im Endeffekt werden die Musiker also für ihre Arbeit bezahlt. Bei Grooveshark ist dies nicht der Fall. Zwar hat der Provider zum Beispiel einen Deal mit dem Label EMI, doch andere Rechteinhaber werden bisher einfach übergangen. Für User, die die Musik nur hören und nicht selber hochladen wollen, ist das unbedenklich. Aber ob die Plattform eine Zukunft hat, ist fraglich. Dass Apple die iPhone-App aus dem Store entfernt hat, ist ein Anzeichen dafür, dass Grooveshark weitere Auseinandersetzungen mit den Großen der Branche droht.

Wie sieht eigentlich euer Musikkonsum aus: Kauft ihr noch CDs? Ladet ihr MP3s bei iTunes, Amazon usw. herunter? Oder setzt ihr auch schon voll auf Streams?

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233 Antworten auf Grooveshark vs. Simfy: Musik streamen statt kaufen

  1. Stefan P. sagt:

    Wie immer ein sehr guter und informativer Bericht!

    Gute Alben/Sampler werden bei mir nach wie vor ganz klassisch auf CD gekauft. Es ist immernoch am schönsten, plastisch etwas in den Händen halten zu können.

    Ansonsten, wenn es doch mal ein Download wird, dann auf jeden Fall ohne DRM. Amazon ist da eigentlich immer meine erste Anlaufstelle.

  2. Benji sagt:

    Wow, ein schöner Artikel. Ich nutze selber schon länger die simfy Desktop App, nachdem ich vorher im grooveshark genutzt hatte. Da ich keine Playlist anlegen will, nutze ich immer den Artist- oder Genre-Radio (ist aber noch verbesserbar).

  3. Pingback: Hirnfick 2.0 » Blogarchiv » Grooveshark und Simfy: Zwei Dienste, ein Lied

  4. wenn mir ein album bzw band richtig gut gefällt dann kauf ich mir die cd auch im original. man passt auf die cd viel besser auf, sie hält länger und außerdem hat hat man dann auch noch ein booklet dazu! aber einzelne lieder hör ich mmir immer im internet an. von grooveshark oder simfy hab ich bis jetzt noch gar nichts gehört, deswegen danke an dieser stelle. ich werd die seiten gleich mal ausprobieren 🙂

  5. Felix sagt:

    Hey ich wollte mich da jetzt auch nochmal einmischen. Ich persönlich bin noch relativ jung. Gerade erst die geschmeidigen 18 Jahre erreicht. Und ich kenne es quasi ausschließlich mit MP3-Player. Ich hatte glaube ich insgesamt 4-5 CDs und die als ich unter 10 Jahre war. Heutzutage habe ich eine Soundanlage in der eigenen Wohnung an der entweder das Handy, der MP3-Player oder der Laptop hängt. Vorteil davon ist meienr Meinung, dass man nicht durchgehend die Lieder vom selben Interpreten hört, sondern eine Playlist erstellen kann die durchwechselt und nicht nach 80 Minuten endet.
    Außerdem wird die Qualität durchgehend besser und sogar auf etwaigen Internetportalen, wie grooveshark oder ähnliches kann man sich Lieder anhören die sauberer klinen als Lieder von CDs.

    Jedoch kann ich Eure Ansicht vollkommen nachvollziehen. Meiner Eltern hängen noch immer an ihren Schallplatten und den CDs. Sprich es gibt doch überall ähnlich Meinungen.

    VG

  6. Mathias sagt:

    Meine Lieblingsalben habe ich alle altmodisch auf Platte oder CD. Für mich ist das ein Stück Musikkultur und diverse Erinnerungen die damit verbunden sind.