Google Music: Keine Chance gegen Apple iTunes?

google-music-logoIm Kampf Apple gegen Google wurde ein neues Schlachtfeld eröffnet: Neben Smartphones und verschiedenen Online-Diensten bekriegen sich beide IT-Schwergewichte nun auch im Bereich „Musik“. Am Mittwoch stellte der Suchmaschinenriese Google Music vor – ein direkter und scharfer Konkurrent zu Apples iTunes.

Was hat Google Music zu bieten?

google-music-05Google Music ist eine Kombination aus Online-Laden und Online-Speicher für Musik. Kunden kaufen direkt im Android Market Songs. Bisher gab es dort nur Apps für Android-Smartphones. Der Katalog umfasst laut Google etwa 13 Millionen Titel, und bis auf Warner Music sind alle großen Labels dabei. Google setzt stärker als viele anderen Anbieter auf Independent Labels und stellt zahlreiche Songs von eher unbekannten Künstlern kostenlos unter magnifier.blogspot.com bereit. Dass mit Warner eine der ganz wichtigen Plattenfirmen fehlt, lässt eine große Lücke – vor allem im Vergleich zur Konkurrenz wie Apple oder Amazon. Doch ich bin mir sicher, dass Google und Warner diese Lücke in nicht allzu weit entfernter Zukunft schließen. Die Musikstücke kosten zwischen 0,99 und 1,29 US-Dollar und kommen als MP3-Datei mit einer Bitrate von 320 kbps, eine sehr gute Audioqualität also.

Richtig spannend ist aber erst der Online-Speicher, der Google Music bereitstellt. Ohne die so genannte Cloud – also Dienste und Anwendungen, die direkt im Web laufen – kommt heutzutage ja fast kein neues IT-Angebot mehr aus. Bei Google heißt das: Jedem Nutzer von Music steht auf den Google-Servern Speicherplatz für bis zu 20.000 Lieder zur Verfügung. Komplett kostenlos. Mit dem Music Manager, einer Software für Windows. Mac und Linux, lässt sich die eigene MP3-Sammlung von der Festplatte in die Cloud kopieren. So hat man alle Lieder immer dabei, einzig eine Internetverbindung ist Voraussetzung, um die Songs direkt online abzuspielen. Das funktioniert entweder im Browser unter http://music.google.com oder über eine spezielle App für Android-Smartphones.

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Nutzt ihr ein anderes Smartphone, könnt ihr Google Music ebenfalls über den Browser erreichen. Die Webseite schaltet dann automatisch auf eine mobile Ansicht, die ebenfalls ganz ordentlich bedienbar ist. Übrigens: Songs, die ihr im Android Market kauft, belasten nicht das 20.000-Song-Kontingent. So gesehen habt ihr also noch viel mehr Speicherplatz. Allerdings: Das Kaufen von MP3s im Android Market gestaltet sich für Nutzer in Deutschland noch schwierig.

google-music-06Und damit kommen wir zum ganz großen Manko: Google Music ist offiziell bisher nur in den USA nutzbar. Ich schreibe „offiziell“, weil es mit einigen Tricks trotzdem geht – zumindest die Nutzung des Online-Speichers. Wie genau, das erfahrt ihr im Infokasten weiter unten. Lieder von Google zu kaufen, funktioniert mit diesem Trick allerdings nicht. Dafür ist eine US-Kreditkarte nötig. Habt ihr eine, könnt ihr auch MP3s kaufen. Aber solange Google das Angebot nicht offiziell für Deutschland freischaltet, ist es für den Großteil der Leute hierzulande wohl nicht möglich, im Android Market Songs zu kaufen.

Google Music schon jetzt in Deutschland benutzen
Obwohl Google seinen Musikdienst noch nicht für Deutschland freigegeben hat, gibt es einen kleinen Trick, mit dem ihr zumindest den Online-Speicher schon nutzen könnt. Musik kaufen könnt ihr so nicht, aber eure bestehende Sammlung hochladen und überall anhören. Am einfachsten funktioniert das Ganze mit Firefox. Klickt im Browser auf den orangefarbenen Firefox-Button und dann auf „Einstellungen“. In dem neuen Dialog geht ihr auf „Erweitert/Netzwerk/Einstellungen“ und aktiviert hier den Punkt „Manuelle Proxy-Konfiguarion“. Im Feld „HTTP-Proxy“ und „Port“ tragt ihr nun die IP-Adresse und die Port-Nummer eines US-amerikanischen Proxy-Servers ein. Frei nutzbare Server findet ihr auf der Seite http://bit.ly/uBs07Q. Setzt anschließend noch einen Haken vor „Für alle Protokolle diesen Proxy-Server verwenden“ und klickt auf „OK“. Nun wird der Internetverkehr von Firefox über einen US-Server geleitet, so dass die Webseite, die ihr besucht, glaubt, ihr seid in den USA. Ruft nun http://music.google.com auf und meldet euch mit eurem Google-Konto an. Erreicht ihr die Webseite nicht, tragt einen anderen Proxy-Server aus der oben genannten Liste ein. Ich selbst musst erst eine Hand voll IP-Adressen ausprobieren, bis es funktionierte. Gelangt ihr zu Google Music, müsst ihr einmal die Nutzungsbedingungen (Terms of Service) akzeptireren, schon ist euer Google-Konto mit dem Musikdienst verknüpft. Ab jetzt braucht ihr auch keinen Proxy-Server mehr, löscht also die Einstellungen in Firefox. Google Music lässt sich nun ganz normal mit eurem Google-Konto nutzen, auch mit einer deutschen IP-Adresse, mit jedem beliebigen Browser und vom Smartphone aus. Apropos Smartphone: Die App für Android-Geräte gibt es natürlich auch nicht im deutschen Android Market. Stattdessen findet ihr den Download unter http://minus.com/myLQQx55U#. Ladet die die APK-Datei auf die SD-Karte des Smartphones und installiert sie von dort aus manuell. Ladet außerdem den Google Music Manager herunter, den ihr auf music.google.com findet. Das Tool lädt eure Musik in die Cloud, auf Wunsch auch automatisch die Lieder, die künftig hinzu kommen.

Achtung: Ändert nach der Anmeldung bei Google Music das Passwort eures Google-Kontos. Da der Verkehr kurzzeitig über einen unbekannten Proxy-Server geleitete wurde, könnt ihr nicht sicher sein, ob jemand dort euer Passwort ausgelesen hat.

Der Vergleich zu Apple iTunes

Apple ist mit iTunes schon seit mehr als zehn Jahren im Geschäft der Musik-Downloads. Mit über 20 Millionen Liedern ist iTunes am besten bestückt, alle großen und viele kleine Labels machen mit. Natürlich ist der Laden schon lange in Deutschland am Start und von daher auch ohne Einschränkungen nutzbar – zumindest was den Kauf und Download der Musik angeht. Und auch in Sachen Online-Dienst ist Apple hierzulande schon viel weiter als Google, denn seit einigen Wochen können Benutzer die so genannte iCloud nutzen. Das ist Speicherplatz auf den Servern von Apple, den Besitzer von iPhone, iPad und iPod nutzen können, um Inhalte dort abzulegen: etwa Musik und Filme, aber auch Apps und Bücher – eben alles, was man so bei iTunes kaufen kann. Der Clou: Auf Wunsch lassen sich die Dateien in der iCloud mit verschiedenen Apple-Geräten abgleichen. Kauft ihr also ein Lied auf dem iPhone oder via iTunes-Software am PC steht es wenige Minuten später auch auf dem iPad bereit. Die Synchronisation läuft per WLAN oder Mobilfunknetz – also auf Wunsch kabellos. Fünf GByte Speicherplatz gibt es bei Apple gratis, wobei Musik, Apps und Bücher nicht mitgezählt werden. Also ist die iCloud für Musikfreunde de facto kostenlos nutzbar.

Mitte November hat Apple außerdem iTunes Match freigeschaltet. Es handelt sich um eine Art Erweiterung für iTunes und iCloud. Der Dienst erlaubt auch den Upload von Musik, die ihr nicht bei Apple gekauft habt. So speichert ihr Songs, die ihr woanders heruntergeladen oder von einer CD gerippt habt. Das Besonders ist aber, dass iTunes Match die Songs vor dem Hochladen scannt und versucht, die Lieder zu erkennen. Denn ein Lied, das Apple selber also Download anbietet – und bei 20 Millionen dürfte die Chance recht hoch sein – muss nicht mehr hochgeladen werden. Das spart viel Zeit und ist ein großer Vorteil gegenüber Google, wo der Upload je nach Umfang der MP3-Sammlung und Bandbreite der Internetverbindung Stunden oder sogar Tage dauern kann (bei mir waren es Tage). Apple verschiebt stattdessen einfach den Song aus seiner Datenbank in eure persönliche iCloud und schon habt ihr von allen Apple-Geräten Zugriff darauf. iTunes bietet die Songs im AAC-Format mit 256 kbps anbietet, was oft besser ist als die Qualität des Originals auf eurer Festplatte. Ihr spart euch nicht nur den Upload, sondern erhaltet die Songs auch noch in erstklassiger Audioqualität. Das gilt natürlich nicht für Songs, die Apple nicht im Angebot hat oder schlicht nicht erkennt. Diese werden einfach so wie sie sind hochgeladen. Arbeitet iTunes Match gründlich, sollte das jedoch nur bei wenigen, eher exotischen Liedern der Fall sein.

iTunes Match

Leider gilt aber auch hier wieder: iTunes Match ist vorerst nur in den USA erhältlich. Wer den Dienst trotzdem nutzen will, muss die jährliche Gebühr von 25 Dollar mit einer amerikanischen Kreditkarte bezahlen. Doch mit der iCloud können zumindest diejenigen Lieder hochgeladen und mit iPhone und Co. synchronisiert werden, die ihr in iTunes kauft. Das geht jetzt schon hierzulande. Da ist Apple seinem Widersacher Google wiederum einen Schritt voraus.

Fazit

Google hat den ersten Schritt gemacht, um dem schier übermächtigen Gegner auf dem Musikmarkt Paroli zu bieten. Leider reicht dieser Schritt noch nicht bis nach Deutschland. Dank seines Vorsprungs von über zehn Jahren ist Apple hierzulande besser aufgestellt: Die Auswahl an Songs ist größer und iCloud ist bereits offiziell nutzbar. Nur iTunes Match bleibt noch den Kunden jenseits des Atlantiks vorbehalten. Das ist für Apple aber vorerst kein Problem, da Google einen vergleichbaren Service überhaupt nicht im Angebot hat. Dessen Nutzer müssen hingegen alle Songs hochladen, wenn sie sie auch woanders hören wollen. Dafür ist Google Music anders als iCloud nicht auf Geräte eines Herstellers beschränkt, sondern lässt sich über den Browser nahezu überall nutzen, wo ein Internetanschluss verfügbar ist. Um Apple einzuholen, wird Google sich strecken müssen – vor allem was die Auswahl der Lieder und die passende Antwort auf iTunes Match angeht.

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