Google Drive: Wo bleiben die spektakulären Features?

google-drive-logoJetzt hat die versammelte Tech-Presse tage-, wochen- sogar monatelang über Google Drive spekuliert und überlegt, welch tollen Features der Konzern auspackt und wie er Konkurrenten wie Dropbox oder Microsofts SkyDrive Paroli bieten will – und dann das: Google Drive ist gestartet und ist alles andere als spektakulär. Solide vielleicht, aber nicht wirklich etwas Neues.

Für alle User mit einem Google-Konto gibt es 5 GByte Speicherplatz gratis. Zum Vergleich: bei Dropbox sind es 2 GByte mit der Möglichkeit per Einladungen an Freunde auf bis zu 18 GByte aufzustocken. Bei SkyDrive von Microsoft sind es 7 GByte (früher waren es mal 25!!!). Mit 5 GByte haut Google also wirklich keinen vom Hocker.

google-drive-android-app

Zugriff auf den Speicherplatz gibt es entweder über http://drive.google.com oder über diverse Clients, die es derzeit für Windows, Mac und Android-Smartphones gibt. Eine iOS-App ist in Arbeit. Die Anwendungen übernehmen auch die automatische Synchronisation der Dateien zwischen Computer und Google-Server oder gleich zwischen mehreren PCs (mit Hilfe der Google-Server), wenn die Clients auf mehreren Maschinen laufen. Das kennen viele von euch sicher schon von Dropbox. Einzelne Unterverzeichnisse lassen sich auch von der Syncro ausnehmen, falls man nicht immer alles hochladen will. Also auch hier nix Neues.

Was allerdings anders ist (kommt auch auf euer individuelles Nutzungsverhalten an): Downloaden müsst die ihr die Dateien vielleicht nicht so oft, um sie zu öffnen. Denn Google Drive ist eng mit Google Text & Tabellen (alias Google Docs) verzahnt. Office-Dateien zum Beispiel lassen sich  direkt im Browser bearbeiten. Weitere Dateiformate lassen sich zumindest öffnen: PDF, Photoshop, Bilder, Videos – insgesamt 30 Formate sollen es sein, die Google unterstützt. Aber auch hier: Dokumente und Tabellen konnte ich auch schon vorher mit Google Docs bearbeiten, und SkyDrive bietet mit den kostenlosen Office Web Apps die gleiche Funktionen. Auch das Zusammenarbeiten und Teilen an und von Office-Dateien geht nach wie vor hüben wie drüben.

Neu ist allerdings, dass Google alle Dateien einer Texterkennung unterzieht. So wird etwa auch Text in Bildern erkannt, so dass man danach suchen kann. OK …

Zum Schluss gibt’s noch die Preise pro Jahr (tlw. umgerechnet in Euro) – für alle, die mehr Speicher brauchen:

Google Drive:
insg. 25 GByte: ca. 23 Euro (+ 25 GByte für Google Mail)
insg. 100 GByte: ca. 45 Euro (+ 25 GByte für Google Mail)

Dropbox:
insg. 50 GByte: ca. 75 Euro
insg. 100 GByte: ca. 151 Euro

Microsoft SkyDrive
zus. 20 GByte: 8 Euro
zus. 50 GByte: 19 Euro
zus. 100 GByte: 37 Euro

Mein Fazit: Google Drive ist sicher kein schlechter Dienst – gerade dank der Verzahnung mit Google Docs und der Clients für verschiedene Plattformen (einige wie Linux und Windows Phone wurden aber offenbar vergessen). Aber Google Drive ist nichts Neues, nichts Spektakuläres. Dennoch glaube ich, dass viele Leute es nutzen werden. Warum? Ganz einfach: Fast jeder Internet-Nutzer hat auch ein Google-Konto. Es liegt also nahe, bei Bedarf gleich den Cloud Storage zu nehmen, der sowieso schon dabei ist.

Wie seht ihr das? Ist Google Drive ein Killer oder ein Trittbrettfahrer? Kommen noch neue Features und wenn ja, welche sollten das sein (Verzahnung mit weiteren Google-Diensten etc.)?

P.S. Google Drive ist noch nicht für alle Google-Konten freigeschaltet. Wenn ihr also http://drive.google.com besucht, kann es sein, dass ihr noch keinen Zugriff darauf habt. Klickt stattdessen auf “Mich benachrichtigen”, um Meldung zu erhalten, sobald ihr den Dienst nutzen könnt.

P.P.S. Nochmal kurz zu SkyDrive: Für Neu-User gibt es nur noch 7 GByte. Wer aber schon länger einen Account mit 25 GByte genutzt hat, sollte sich schnell einloggen und das Gratis-Update auf 25 GByte durchführen. Laut Microsoft gibt es das nur für kurze Zeit. Wer es verpasst, soll wohl auf 7 GByte runtergestuft werden.

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3 Antworten auf Google Drive: Wo bleiben die spektakulären Features?

  1. Martin sagt:

    Zum P.P.S.: Ich wurde bei SkyDrive zunächst auf 7 GB runtergestuft und konnte anschließend wieder auf kostenlose 25 GB erhöhen; das ist eine andere Reihenfolge. Was wäre wohl passiert, wenn ich mehr als 7 GB bei SkyDrive gespeichert hätte? Mein Misstrauen gegen Cloud-Dienste bekommt durch solche Aktionen Nahrung, ich werde da wohl zukünftig ganz die Finger von lassen.

  2. Pingback: Heiter bis wolkig, Festlatten in der Cloud. Heute: Google Drive | Kalandro Solutions Blog

  3. Pingback: Cloud Business Development: Google Drive hat Potential vs. Amazon, Paypal & Co. | Privater Blog von Micha