Fünf Fragen an Daniel Koch, Entwickler und HTML-Profi

Daniel KochHTML5 ist in Webdesigner-Kreisen derzeit das Thema schlechthin. Die neuen Standards und Möglichkeiten sorgen ebenso für Gesprächsstoff wie die immer noch nicht beendete Entwicklung und die Unterstützung durch die neue Browser-Generation.

Daniel Koch, Autor des HTML5-Buches (Data-Becker-Verlag, 29,95 Euro im Terrashop), hat uns fünf Fragen zum Thema beantwortet und dabei von seinen persönlichen Einschätzungen und Meinungen über HTML5 erzählt.

Frage: Warum befindet sich HTML5 immer noch in der Entwicklung und warum dauert es so lange?

Koch: Zunächst einmal ist viel Zeit verstrichen, bis sich das W3C und die von Mozilla, Opera und Apple gegründete WHATWG auf die Entwicklung eines gemeinsamen Standards einigen konnten. Denn lange Zeit favorisierte das W3C anstelle von HTML5 die Weiterentwicklung von XHTML2. Dieser Sprachansatz ging jedoch aus Sicht der Browserhersteller in eine falsche Richtung. Die bemängelten nämlich einen zu theoretischen Ansatz, der mit den tatsächlichen Anforderungen an modernes Webdesign nur noch wenig gemein hat. Daher stellten die Browserhersteller ihren eigenen Entwurf HTML5 vor.

Mittlerweile arbeiten aber beide Organisationen enger zusammen, was HTML5 anbelangt. Wann HTML5 tatsächlich offizieller Standard wird, ist indes immer noch nicht absehbar. Mittlerweile geht man beim W3C davon aus, dass es 2014 zur Verabschiedung des HTML5-Standards kommt. Daher gibt es jetzt die Situation, dass bereits viele HTML5-Features in modernen Browsern genutzt werden können, obwohl diese eben noch nicht offiziell standardisiert sind.

HTML5 - Data BeckerFrage: Was sind für Sie die wichtigsten Neuheiten von HTML5?

Koch: HTML5 hat viele interessante Neuerungen zu bieten. Für mich persönlich sind die Dokumentstrukturierungselemente wie article, section usw. sehr interessant. Denn endlich lassen sich HTML-Dokumente auch logisch – in gewisser Weise auch semantisch – strukturieren.

Weitere interessante Neuerungen sind, die Drag&Drop-API, das Canvas-Element, die Geolocation-API, die HTML5-Offlineanwendungen und die audio- und video-Elemente. Eines der Highlights von HTML5 sind aber zweifellos die neuen Formularfunktionen. So lassen sich nun beispielsweise Formularvalidierungen ganz ohne JavaScript durchführen. Die Arbeit der Validierung fällt dabei automatisch den Browsern zu. Das erleichtert die Arbeit für Entwickler natürlich enorm.

Frage: Glauben Sie, dass Flash und andere proprietäre Techniken langfristig komplett durch HTML5 ersetzt werden?

Koch: Kurzfristig sehe ich hier keine Gefahr für beispielsweise Flash. Auf mittel- und langfristige Sicht hat HTML5 aber zweifellos das Potential, proprietäre Formate wie Flash zu ersetzen. Erste Ansätze sind bereits jetzt zu erkennen. So wird auf immer mehr Webseiten zum Abspielen von Videos eben nicht mehr auf Flash, sondern auf HTML5 gesetzt. Auch zeigt Apple mit seinem Flash-Verzicht auf iPhone und iPad, dass Adobes Technologie durchaus verzichtbar sein kann.

Frage: Aus Entwicklersicht: Hat Microsoft mit dem Internet Explorer 9 gute Arbeit abgeliefert?

Koch: Microsoft hat mit der neuen Version einen großen Schritt in die richtige Richtung getan. Für Entwickler sind sicherlich die gute Unterstützung von CSS3 und HTML5 interessant. So lieferte der Internet Explorer 8 im Standardisierungs-Test Acid3 gerade einmal 20 Punkte. Jetzt ist man hier immerhin bei 95 Punkten. Vor diesem Hintergrund ist der Internet Explorer 9 also in jedem Fall als Fortschritt zu bezeichnen. Das gilt übrigens auch für die Unterstützung von SVG und die deutlich bessere JavaScript-Engine. Ich halte den Browser also durchaus für gelungen.

Frage: Glauben Sie, dass bald alle Browser gleichermaßen kompatibel zu den Webstandards sind und sich Entwickler damit keine Gedanken mehr um unterschiedliche Browser machen müssen?

Koch: Bereits heute ist die Umsetzung von Webstandards in den verschiedenen Browsern deutlich besser, als das noch vor einigen Jahren der Fall gewesen ist. Erinnert sei hier an die Standardisierungskapriolen im sogenannten Browserkrieg zwischen Microsoft und Netscape.

Ob zukünftig eine völlige Kompatibilität der Hersteller untereinander erreicht wird, möchte ich allerdings bezweifeln. Sichtbar wird das derzeit beispielsweise an der Umsetzung des video-Elements, über das sich Videos in Webseiten nach HTML5-Syntax einbinden lassen. Denn leider haben sich die Browserhersteller nicht auf einen einheitlichen Codec zur Darstellung von Videos einigen können. Somit müssen Videos – um sie in den aktuellen Browsern abzuspielen – in verschiedenen Formaten vorliegen. So bevorzugt Firefox das Ogg-Format, während Safari und der Internet Explorer MPEG4 favorisieren. Google Chrome interpretiert hingegen beide Formate. Entwickler werden also auch in Zukunft ihre Anwendungen in möglichst vielen Browsern auf unterschiedlichen Plattformen testen müssen.

Wir danken Daniel Koch recht herzlich, dass es sich die Zeit für dieses Interview genommen hat.

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