Fünf Fragen an Corina Pahrmann, Journalistin und Social-Media-Expertin

corina-pahrmannSocial Media ist spätestens seit dem Boom von Facebook im Leben der meisten Menschen angekommen – im Leben der Marketing- und Werbeleute sowieso. Für eben jene und alle, die cleveres Marketing in sozialen Netzwerken betreiben wollen, hat Corina Pahrmann das Buch „Social Media Marketing“ (im Terrashop kaufen) der US-amerikanischen Autorin Tamar Weinberg für den deutschsprachigen Markt bearbeitet. Die freie Journalistin und PR-Referentin weiß aus eigener Erfahrung, wie man effektives Social Media Marketing betreibt. Im Interview verrät sie uns, wie es geht, wie es eben nicht geht und was man nicht erwarten darf, wenn man über Facebook und Co. seine Kunden erreichen will.

Frage: Welche Vorteile können Soziale Netzwerke einem Unternehmen bringen?

Pahrmann: Soziale Netzwerke öffnen die Tür zum Kunden. Sie ermöglichen den direkten Dialog, wie er für viele Unternehmen sonst kaum möglich ist. Denken wir z.B. an das produzierende Gewerbe: Welcher Hersteller von Autoreifen, Waschmittel oder Schokoriegeln konnte in den letzten Jahrzehnten schon mit seinen Endverbrauchern persönlich reden? Mit Social Media-Kanälen wie Facebook oder Twitter kann die Entwicklungsabteilung nun selbst nachfragen, welche Schokolade den Kunden nun am besten schmeckt. Oder der Vertrieb kann umgehend reagieren, sollten Kunden ihr Waschmittel nicht im heimischen Supermarkt finden. Dies sind nur wenige Beispiele, die zeigen, wie Unternehmen aus ihrem Elfenbeinturm heraus- und tagtäglich mit ihren Kunden zusammenkommen können.

Frage: Was können Soziale Netzwerke nicht leisten (Stichwort: überzogene Erwartungen)?

Pahrmann: Die meisten Unternehmen, die eine Facebook-Seite anlegen, wünschen sich natürlich einen Mehrumsatz. Das kann man, wenn man will, recht gut mit Rabattcoupons und Gewinnspielaktionen erreichen. Aber so etwas würde ich immer erst an zweiter Stelle sehen, denn das Social Web bietet so viel mehr.

Die wirkliche Herausforderung und Chance liegt darin, mit den Kunden ins Gespräch zu kommen. Und dies ist gar nicht so leicht: Viele Unternehmen, gerade kleinere abseits der großen Marken, müssen einen langen Atem beweisen. In Corporate Blogs wird deutlich seltener kommentiert als in großen, unabhängigen Blogs wie beispielsweise Spreeblick, und auch die Fan- und Follower-Zahlen bei Facebook und Twitter bauen sich häufig nur langsam und stetig auf, wenn man nicht gerade ständig iPads oder dergleichen verlost 😉 Dies sollten sich Social Media-Verantwortliche und auch die Firmenchefs auf jeden Fall immer bewusst machen. Wenn sie an ihre wirklichen Kunden herankommen wollen, müssen sie auch viel Zeit einplanen und durch kontinuierlich gute redaktionelle Betreuung der Kanäle überzeugen.

Social Media MarketingFrage: Was ist der größte Fehler, den Unternehmen in sozialen Netzwerken begehen?

Pahrmann: Vielen Unternehmensprofilen fehlt es an Kreativität und Authentizität. Der Facebook-User möchte aber nicht das hundertste Gewinnspiel lesen, er möchte keine plumpe Produktwerbung und er möchte auch keine wortgleichen Kopien der Einträge, die er schon bei Twitter oder im Unternehmensblog gelesen hat. Hier sollten Social Media Manager die Mühe investieren, für jeden Kanal die passenden Informationen zu finden und ansprechend aufzubereiten. Dazu gehört zuallererst einmal, dass das Unternehmen authentisch bleibt und – wie es ohnehin immer ratsam ist – niemals versucht, etwas unter den Teppich zu kehren. Offenheit mit den eigenen Kunden ist gerade im Social Web oberste Pflicht!

Frage: Was sollten sich Firmen überlegen bevor Sie eine Präsenz bei Facebook und Co. eröffnen?

Pahrmann: An allem Anfang steht die Frage nach der Zielsetzung. Während Vertrieb und Geschäftsführung meistens „mehr Umsatz“ fordern, erwarten Marketingtreibende eine hohe Anzahl von Fans, an die sie ihre Werbebotschaften verteilen können. Und Entwickler interessieren sich dafür, wie Kunden mit ihren Produkten zurechtkommen. All diese Wünsche können aber kaum sofort erfüllt werden, daher sollte man sich zunächst entscheiden, welches dieser strategischen Ziele vorrangig verfolgt werden soll. Auf dieser Basis werden dann möglichst konkrete Ziele definiert, z.B. „200 Follower bis zum Tag X“.

Neben einer inhaltlichen Konzeption gibt es außerdem eine Reihe von praktischen Fragen, die besser vorab besprochen werden: Wie häufig kann man Neuigkeiten posten? Welche Mitarbeiter haben Interesse, Inhalte zu liefern? Wer kümmert sich um welche Kundenanfragen? Wer im Unternehmen „bewacht“ die Facebook-Seite während des Wochenendes? Insbesondere beim Start von Corporate Blogs, aber auch bei Facebook und Twitter kann ich nur raten, vorab eine gewisse Menge an Beiträgen zu texten. So können auch Ausfallzeiten, z.B. während Krankheit, Urlaub oder auch besonders meeting- und arbeitsintensiver Zeiten abgedeckt werden.

Frage: Facebook und Twitter sind mittlerweile etablierte Kanäle, Google Plus wird – sobald es Unternehmensseiten ermöglicht – sicherlich auch sehr schnell bevölkert werden. Ist der Start für Unternehmen, die sich bisher noch gar nicht im Social Web engagieren, nun schon zu spät?

Pahrmann: Auf den ersten Blick scheint es im Social Web schon alles zu geben, ja. Aber überzeugen und langfristig (soweit man den Begriff „langfristig“ in Web-Zusammenhängen überhaupt verwenden darf) erfolgreich sein können aber auch die Unternehmen, die jetzt erst ihr Profil eröffnen. Denn es gibt noch viele Chancen für Unternehmen, sich zu profilieren – z.B. durch einen besonders guten Kundendialog oder einen sehr kreativen, außergewöhnlichen Social Web-Auftritt, von denen es noch viel zu wenige gibt!

Info: „Social Media Marketing“ von Tamar Weinberg und Corina Pahrmann ist im O’Reilly-Verlag erschienen und kostet im Terrashop 29,90 Euro.

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