E-Books-Reader: Welches Lesegerät ist das richtige?

ebook-weltbildVor noch gar nicht allzu langer Zeit hielt man Bücher in elektronischer Form noch für Zukunftsmusik, die in der Ferne erklang. E-Books seien allenfalls und vorerst in den USA ein Thema. Es werde noch Jahre dauern, bis dieser „Trend“ zu uns hinüberschwappt. Das Phänomen, dass die alte Welt der neuen jenseits des Atlantiks in Sachen technischer Innovation immer etwas hinterherhinkt, kannten wir ja schon zu Genüge. Nun ist es aber doch soweit: Das E-Book ist mitten in unserem Alltag angekommen – schneller, als manch einer damit gerechnet hatte. Schon Mitte letzten Jahres ergab eine Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung, dass alleine in Deutschland 800.000 Menschen einen E-Book-Reader besitzen, also ein Gerät, mit dem man elektronische Bücher liest. Hinzukommen Tablet-PCs, mit denen man ebenfalls mehr oder weniger gut E-Books konsumieren kann. Macht alles in allem rund zwei Millionen Deutsche, die Ende 2011 in der Lage waren, E-Books ähnlich wie ein Buch – also nicht am PC oder Laptop – lesen zu können.

Das E-Book ist also schon zu einer alltäglichen Sache geworden. Eben haben wir noch über Sinn und Unsinn dieser Darreichungsform von Literatur diskutiert, schon werden alle an der Diskussion Beteiligten vor vollendete Tatsachen gestellt. Letztes Jahr hat sich der Umsatz mit digitalen Büchern schon verdreifacht, habe ich unlängst in einer Pressemeldung gelesen. Verifiziert habe ich diese Zahl nicht. Mein Bauchgefühl und meine allgemeine Beobachtung des Marktes sagen mir aber, dass das sehr gut sein kann.

E-Book-Reader: Die Auswahl ist riesig

Meine Vermutung wird unterstützt durch die schier unüberschaubare Zahl an E-Book-Readern, die fast schon jeder Buchhändler und etliche Versandhäuser im Angebot haben. Das geht weit über den bekannten Kindle von Amazon hinaus. Der Grund ist klar: Buchhändler hoffen, dass Käufer eines Readers auch im eigenen E-Book-Shop Lesestoff kaufen. Deswegen werden die Reader stark beworben und teils sehr günstig angeboten. Doch welcher Reader passt zu dir? Leicht ist die Beantwortung dieser Frage angesichts der Masse an erhältlichen Geräten nicht.

Der Preis: Wichtig, aber …
… mach deine Kaufentscheidung nicht nur daran fest. Denn der Preis hängt meist auch von der Ausstattung des Geräts ab. So bekommt ihr etwa in den Filialen und Internetshops von Hugendubel und Weltbild den Trekstor eBook-Reader schon für 60 Euro. Dieser ist allerdings vergleichsweise schwer, hat ein farbiges LC-Display, das kräftig am Akku saugt kobo-erader-touchund eine geringe Auflösung bietet, und lässt sich nur per Kabel via PC mit Inhalt füllen. Wer mit diesen Mankos klar kommt, darf natürlich trotzdem zugreifen. 60 Euro sind schon günstig.

Das Display: E-Ink oder LCD?
Neben den unterstützten Formaten (s.u.) gehört das Display sicher zu den wichtigsten Auswahlkriterien. Wir wollen beim Lesen unsere Augen nicht überanstrengen. Immerhin schauen die meisten von uns tagtäglich schon etliche Stunden auf Bildschirme, Monitore und Displays. Dagegen ist das Lesen eines Buches auf Papier eine echte Wohltat für unsere Sehorgane. Daher setzen die Hersteller von E-Book-Readern zumeist auf Displays mit elektrischer Tinte (E-Ink). Diese hat den Vorteil, dass sie bedrucktem Papier optisch sehr nahe kommt. Sie hat keine Hintergrundbeleuchtung und der Kontrast ist sehr hoch – wunderbar für die Augen. Allerdings braucht ihr wie bei einem richtigen Buch eine Lampe, wenn ihr im Dunkeln lesen möchtet. Ein LC-Display, das wir sony-prs-t1etwa von Smartphones und Tablet-PCs kennen, lässt sich auch ohne Umgebungslicht super nutzen. Allerdings verbrauchen diese Bildschirme auch viel mehr Strom und saugen den Akku sehr viel schneller leer als E-Ink-Displays. Diese verbrauchen nur Energie, wenn ihr umblättert – wenn also ein neues Bild aufgebaut werden muss. Dazwischen kommt ein E-Book-Reader mit E-Ink ganz ohne Strom aus. Die Konsequenz: E-Ink-Reader laufen mit einer Akkuladung wochen-, je nach Benutzung sogar monatelang. Davon können Besitzer von Geräten mit LCD nur träumen.

Die Formate: Wirrwarr auch bei E-Books
Ähnlich wie Texte (TXT, DOC, RTF usw.) oder Bilder (JPG, GIF, BMP usw.) in verschiedenen Dateiformaten vorliegen, gibt es auch E-Books in unterschiedlichen Formaten. Das am weitesten verbreitet ist das EPUB-Format, das von vielen Buchhandlungen und selbst von Büchereien, die elektronische Werke verleihen, genutzt iriver Story HD WiFiwird. Praktisch alle Reader können dieses Format anzeigen – nur einer nicht: Amazons Kindle. Der setzt stattdessen auf AWZ, ein eigenes Format, das nur Amazon anbietet. Die Konsequenz: Kindle-Käufer sind stark an den E-Book-Shop von Amazon gebunden. Zwar liest der Kindle auch andere Formate wie PDF, TXT oder DOC. Doch gerade kostenpflichtige Bücher aus den bekannten Verlagen kommen oft als EPUB in den Handel. Mit dem Kindle mal eben bei Thalia einkaufen? Nicht möglich. Überlegt euch also vorher gut, aus welchen Quellen eure E-Books künftig kommen, bevor ihr zugreift. Zur Auswahl stehen Amazon und quasi alle anderen.

E-Books gibt es übrigens auch bei uns im Terrashop: In unserem E-Book-Shop könnt ihr elektronische Bücher aus dem Sortiment unseres Partners ciando kaufen. Diese kommen in den meisten Fällen als EPUB oder PDF zu euch. Ihr könnt sie also mit allen gängigen E-Book-Reader, Tablet-PCs und Smartphones lesen – und natürlich auch am PC.

Der Einkauf: Wie kommt das Buch auf den Reader?
Diese Frage sollte euch natürlich auch interessieren. Die Antwort: Per USB-Kabel geht es immer. Oft müsst ihr dafür eine Software von Adobe auf dem Computer installieren, um pocketbook Pro 611die Bücher auf das Lesegerät zu übertragen. Viele E-Book-Reader haben aber auch ein WLAN-Modul, mit dem ihr Bücher drahtlos erhaltet. Der E-Book-Shop ist schon auf dem Gerät eingerichtet, so dass ihr direkt stöbert, kauft und herunterladet, ohne den Reader erst per Kabel irgendwo anzuschließen. Das ist komfortabel. Die Anbieter Thalia und Amazon gehen sogar soweit, Versionen ihrer Reader mit UMTS-Modem (3G) anzubieten. Dann braucht ihr nicht einmal ein WLAN-Netz, in das ihr euch einwählt. Stattdessen klappt die Verbindung über das Mobilfunknetz, wie es auch bei den modernen Internet-Handys funktioniert. Dabei fallen keine zusätzlichen Verbindungskosten an, nur den Preis für das Buch müsst ihr zahlen. Mit dem Kindle gilt das sogar weltweit. Mit dem OYO 3G fallen im Ausland zusätzliche Gebühren an: 99 Cent pro Buch.

Weitere Kriterien: Größe, Gewicht, Auflösung, Speicherplatz
Neben den wichtigen Kriterien wie Preis, Display, Format und Anbindung an die Shops gibt es natürlich noch weitere, die für jeden Benutzer etwas anders gewichtet werden müssen. In der Tabelle (s.u.) findet ihr weitere Details zu zehn der populärsten E-Book-Reader (in Deutschland ist bestimmt noch ein gutes Dutzend mehr erhältlich). Achtet zum Beispiel auf die Unterschiede im Gewicht. Bei der Größe des Displays haben sich sechs Zoll als Quasi-Standard durchgesetzt. Es gibt aber auch größere und kleinere E-Book-Reader. Auch bei oyoder Auflösung des Bildschirms haben sich die Hersteller in der Regel auf 800 x 600 Pixel geeinigt. Die Geräte von Trekstor bieten in der Breite etwas weniger an. Der Story HD WiFi von iRiver hat hingegen eine höhere Auflösung, so dass mehr Inhalt auf eine Bildschirmseite passt. Die meisten Modelle haben zwei GByte Speicherplatz. Da lassen sich schon einige Tausend E-Books drauf ablegen. Wem das nicht genügt, erweitert die Kapazität mit einer Speicherkarte. Achtung: Der Kindle lässt sich nicht erweitern. Ob der Reader über Tasten oder einen Touchscreen bedient wird, ist letztendlich Gewöhnungssache. Wie ich finde, ist das bei einem Lesegerät für E-Books nicht allzu wichtig. Beim Lesen eins Buches ist ja das Blättern die wichtigste Funktion. Ob das jetzt per Knopfdruck oder Fingerwisch geht, ist Geschmackssache. Das gilt auch für das Anlegen von Notizen oder das Setzen von Lesezeichen, was ja die Reader durchweg unterstützen. Obwohl Touchscreens im Trend liegen, kann eine durchdachte Benutzeroberfläche auch mit altmodischen Knöpfen sehr gut funktionieren.

Tablets als E-Book-Ersatz
Wer einen Tablet-PC besitzt, hat damit in den meisten Fällen auch schon einen E-Book-Reader. Apps zum Anzeigen von PDFs und EPUBs gibt es sowohl für iPad als auch Android-Modelle. Dazu gehört etwa der Bluefire Reader, den es für beide Plattformen gibt. Mit passenden Apps wollen auch Amazon und Thalia Kunden gewinnen, ohne diesen erst mal einen Reader verkaufen zu wollen. So hat man dank der kostenlosen Apps gleich Zugriff auf die jeweiligen digitalen Buchhandlungen, kauft dort ein und liest die Bücher sofort. Die Übertragung geht natürlich drahtlos vonstatten. Allerdings: Während Amazon die Kindle Lese-App für iPad und Android anbietet, beschränkt sich Thalia mit der OYO App auf Android-Nutzer. Nur für iPad-Besitzer gibt es hingegen iBooks, den E-Book-Store von Apple.

So lassen sich Tablets schnell und kostenlos zu einem E-Book-Reader aufrüsten. Ob das allerdings eine Lösung für echte Vielleser ist, darf bezweifelt werden. Die Gründe dafür sind vor allem der Bildschirm, der viel Strom benötigt, und das Gewicht. Das iPad 2 wiegt zum Beispiel 601 Gramm. Echte E-Book-Reader bewegen sich im Bereich zwischen 168 und 345 Gramm (s. Tabelle).

Details zu zehn der populärsten E-Book-Reader (Klick für größere Ansicht):

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331 Antworten auf E-Books-Reader: Welches Lesegerät ist das richtige?

  1. Das beim Sony prs-t1 kein WLAN angegeben ist in der Tabelle scheint mir nicht richtig zu sein.

    • Christian Lanzerath sagt:

      Der Sony hat schon WLAN, nur lässt sich damit nicht direkt auf dem Gerät ein E-Book kaufen. Der Shop ist für Deutschland noch nicht freigeschaltet. Daher bleibt bislang nur der Weg über den PC.

      • Alexander Ruthmann sagt:

        Es geht doch, nur nicht im Sony Shop. Man kann über den Browser ganz bequem z.B. bei Thalia (www.thalia.de), oder Beam (www.beam-ebooks.de) einkaufen und die Bücher direkt auf den Reader downloaden. Einzige Voraussetzung ist das man einmal den Reader mit der Adobe-Software (Adobe Digital Editions) für DRM geschützte Inhalte freischaltet, aber das muss man in jedem Fall tun, egal wie das Buch auf den Reader kommt.
        Mit der online Ausleihe von Büchereien klappt das auch.
        Also kein Grund die WLAN Fähigkeit des Sony zu verschweigen.

        Alex

  2. Christian sagt:

    Vielen lieben Dank für dieses ausführlichen Bericht 🙂

    Ich selber habe für mich vor einem guten Jahr das Lesen wiederentdeckt und bin seitdem ein regelrechter „Bücherfresser“ (35 in den vergangenen 12 Monaten^^).

    Und natürlich hat das Lesen eines „echten“ Buches seinen Reiz durch das Blättern und Fühlen des Papiers zwischen den Fingern und da man es natürlich auch seit Kindheit an so gewohnt ist 😉

    Dennoch spiele ich schon seit Längerem mit dem Gedanken, mir einen E-Book-Reader zuzulegen. Und der Tag des Kaufes eines solchen rückt immer näher …

    Grüße

  3. Martin sagt:

    Sehr interessante und hilfreiche Angaben. Vielen Dank dafür!

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