E-Books: Die nächste Medienrevolution?
Teil 1: E-Book-Reader

E-Book-ReaderBücher sind eines der letzten Medien, die überwiegend noch in klassischer Form vertrieben werden – zumindest in Deutschland. Doch mit dem E-Book steht schon seit langem ein digitales Pendant bereit und sicher ist es nur eine Frage der Zeit, bis das gedruckte Buch mit den gleichen Gegnern zu kämpfen hat wie der Brief oder die Tageszeitung: mit der Digitalisierung.

In einer fünfteiligen Artikelreihe will ich hier im Blog etwas näher auf das Thema „digitales Lesen“ eingehen. Den Anfang machen die E-Book-Reader, also die Geräte, mit denen man elektronische Bücher konsumiert. Welche weiteren Artikel noch folgen, zeigt das kleine Inhaltsverzeichnis. Natürlich ist das nicht in Stein gemeißelt, sondern kann sich auch noch ändern. Ab so sieht bisher der Plan aus:

  • Lesegeräte: Die (klassischen) E-Book-Reader
  • Buchhandlung 2.0: Hier gibt es E-Books – auch kostenlos
  • E-Book-Formate: Von AZW bis ePub
  • iPad statt Kindle: Kommt der bessere Reader von Apple?
  • E-Books in Deutschland: Auf der Suche nach dem Durchbruch

Lesegeräte: Die (klassischen) E-Book-Reader
Mit „klassisch“ meine ich hier E-Book-Reader mit E-Ink-Displays. Natürlich können E-Books auch auf Smartphones und Tablet-PCs (etwa iPad) gelesen werden. Software, um E-Books in verschiedenen Formaten lesen zu können, gibt’s ja für viele Plattformen und Apple bietet mit iBook auch einen eigenen Online-Buchladen an. Der Vorteil der Geräte, die eigens für das Lesen elektronischer Bücher gebaut wurden, ist aber eben (nicht nur) E-Ink. Displays, die den Bildschirminhalt mit dieser elektronischen Tinte darstellen, verbrauchen nur Strom, wenn man blättert. Ist die Seite einmal aufgebaut, benötigt der E-Book-Reader keine weitere Energie mehr. Das erklärt auch, warum die Hersteller die Akkulaufzeit oft mit mehreren Wochen angeben. Das wäre bei Tablets und Smartphones mit LCDs unvorstellbar, weil diese Bildschirme ständig Strom benötigen, sobald man sie anschaltet. Zudem bietet E-Ink einen unübertroffenen Kontrast: Die Buchstaben sehen aus wie gedruckt. Gerade für das reine Lesen ist das genau das Richtige. Die Augen werden nicht so schnell müde. Nachteile dabei: Zum einen leuchten E-Ink-Displays nicht. Das bedeutet, dass man ohne Licht nichts sehen kann – ganz wie bei einem richtigen Buch. Zum anderen stellen E-Ink-Displays bisher noch keine Farben dar. Wie ich finde, ist das für den Einsatzzweck eines E-Book-Readers auch nicht nötig.

Amazon Kindle 3Amazon Kindle
Wie bei gedruckten Büchern dominiert Amazon auch im E-Book-Bereich den Markt. In den USA verkauft Amazon mittlerweile schon mehr E-Books als gedruckte Bücher. Der hauseigene E-Book-Reader Kindle soll allein im letzten Quartal 2010 mehrere Millionen Mal verkauft worden sein. Damit ist das Gerät wohl der am stärksten verbreitete E-Book-Reader weltweit.

Der Kindle ist mittlerweile schon in der dritten Generation erhältlich und steht in drei Ausführungen bereit. Kindle Wi-Fi und Kindle 3G + Wi-Fi haben einen 6 Zoll großen Bildschirm und kommen – wie die Bezeichnung schon vermuten lässt – beide mit WLAN-Anbindung, das 3G-Modell ist zusätzlich mit einem UMTS-Modem ausgestattet. Der Kindle DX ist quasi der große Bruder, dessen Display üppige 9,7 Zoll misst. WLAN fehlt dem Großen, dafür hat auch er ein UMTS-Modem. Der Clou: Besitzer der UMTS-Modelle können unterwegs kostenlos in Amazons E-Book-Angebot stöbern, diese kaufen und herunterladen. Für die Datenverbindung fallen auch hierzulande keine Kosten an. Warum ich das explizit erwähne? Amazon Deutschland verkauft den E-Book-Reader gar nicht. Wer ihn haben will, muss ihn in den USA bestellen. Auf amazon.com ist der Kindle derzeit für 139 Dollar (Kindle Wi-Fi) bzw. 189 Dollar (Kindle 3G + Wi-Fi) bzw. 379 Dollar (Kindle DX) zu haben.

Der Kindle hat einen 4 GByte großen Speicher, was laut Amazon für 3500 Bücher ausreicht. Die Akkulaufzeit gibt der Anbieter mit einem Monat bei den kleinen und zwei bis drei Wochen beim großen Modell an – wenn die Funkverbindung abgeschaltet ist. Neben dem hauseigenen AZW-Format unterstützt der Kindle auch E-Books im PDF-, MOBI- und PRC-Format sowie TXT- und HTML-Dokumente. Das Quasi-Standardformat ePub kennt der Kindle nicht. Eine Text-to-Speech-Funktion liest englischsprachige E-Books auf Wunsch sogar vor. Daneben spielt der Kindle auch MP3s ab.

OYOOYO
OYO ist quasi die deutsche Antwort auf den Kindle. Das Gerät wird von Medion (Display von SiPix) gebaut und von Thalia, bol.de und buch.de vertrieben. Der Bildschirm misst 6 Zoll, der 2 GByte große interne Speicher lässt sich mit einer microSD-Karte um 32 GByte erweitern. Das reicht für abertausende von elektronischen Büchern. OYO verfügt lediglich über einen WLAN-Zugang ins Internet, über den man den integrierten E-Book-Shop besuchen, Bücher kaufen und direkt herunterladen kann. An Formaten unterstützt der Reader ePub und PDF sowohl mit als auch ohne Kopierschutz (Adobe DRM). Auch TXT- und HTML-Dateien zeigt das Gerät an. OYO spielt ebenfalls MP3s ab. Anders als der Kindle kommt der Ton aber nur aus den angeschlossenen Kopfhörern. Eingebaute Lautsprecher gibt es nicht. Derzeit kostet der OYO bei allen Anbietern 139 Euro.

Sony ReaderSony Reader
Bevor Thalia den OYO ins Sortiment aufnahm, war der Reader von Sony der Favorit des Buchhändlers. Im Sortiment hat thalia.de den E-Book-Reader immer noch, auch wenn er nicht gerade prominent beworben wird. Zwei aktuelle Ausgaben hat der japanische Elektronikriese derzeit auf dem Markt: Den großen PRS-650 mit 6-Zoll- und den kleinen PRS-350 mit 5-Zoll-Display. Beide Bildschirme sind als Touchscreen konzipiert, reagieren also auf Berührung, und haben einen 2-GByte-Speicher. Den PRS-650 kann man zudem mit SD-Karten oder Memory-Sticks Pro 32 GByte mehr Speicher spendieren. Sony gibt eine Akkulaufzeit von zwei Wochen an. Was bei diesen Geräte fehlt, ist ein drahtloser Zugangs ins Internet. Neue E-Books müssen per Kabel über den PC auf den Reader gezogen werden – etwas umständlich im Vergleich zur Konkurrenz. An kopiergeschützten Formaten unterstützt das Gerät ePub und BBeB. Weitere Formate sind PDF, TXT, RTF, Word und eben auch DRM-freies ePub und BBeB. Audiodateien im MP3- und AAC-Format spielt nur der PRS-650 ab. Der Sony Reader kostet 229,99 Euro (PRS-650) bzw. 179,99 Euro (PRS-350).

eLyricon EBX-600eLyricon EBX
Versandhändler Pearl ist Mitte 2010 ebenfalls in den E-Book-Reader-Markt eingestiegen: mit dem eLyricon EBX-600.E-Ink (der ebenfalls bei Pearl erhältliche eLyricon EBX-500.TFT kommt mit einem klassischen LC-Display). Der Bildschirm ist 6 Zoll groß, der Speicher 2 GByte. Letzterer lässt sich per microSD-Karten erweitern. Laut pearl.de reicht eine Akkuladung für 8000-maliges Umblättern – eine wesentlich aussagekräftigere Angabe. Unterstützt werden die Formate ePub und PDF (auch kopiergeschützt) sowie TXT, HTML und FB2. MP3- und WMA-Audiodateien spielt der EBX-600.E-Ink ebenfalls ab. Eine Verbindung ins Internet gibt es auch hier nicht, so dass man E-Books zuerst auf den Computer und dann per USB-Kabel auf den Reader übertragen muss. Pearl verkauft das Gerät derzeit für 169,90 Euro versandkostenfrei.

Acer LumiReadAcer LumiRead
Acers erster Schritt in den E-Book-Markt heißt LumiRead und ist hierzulande unter anderem bei libri.de zu haben. Das 6-Zoll-Gerät bietet einen WLAN-Anschluss, ein Modell mit zusätzlichem UMTS ist ebenfalls vorhanden. Über die drahtlose Verbindung gelangen Anwender in den E-Book-Shop, können dort Bücher kaufen und gleich herunterladen. Praktisch ist der eingebaute Barcode-Scanner, mit dem man die ISBN eines Buches scannt und den betreffenden Titel in der elektronischen Fassung sofort downloaden kann – wenn vorhanden. Der interne Speicher ist mit 1 GByte vergleichsweise klein, kann aber per SD-Karte aufgerüstet werden. Formattechnisch unterstützt der LumiRead PDF, ePub, MOBI, HTML, CHM, RTF, DOC und TXT sowie MP3s. Auch hier soll eine Akkuladung für 8000-faches Blättern ausreichen. Der Acer LumiRead kostet bei libri.de derzeit 179 Euro ohne und 229 Euro mit UMTS-Modem.

E-Book-Schwemme
Alle weiteren E-Book-Reader vorzustellen, die hierzulande erhältlich sind, würde sicherlich den Umfang eines Blog-Beitrags sprengen. Trotzdem will ich noch kurz einige Modelle auflisten. Die Liste ist aber keineswegs komplett. Dafür gibt es schon zu viele Reader auf dem Markt, die teilweise auch nur zeitweise bei Discountern oder Elektronikmärkten verkauft werden.

Hanvon N526Hanvon WISEreader N516/N518/N526/N610/N630
Verschiedene 5- und 6-Zoll-Geräte teilweise mit Handschriftfunktion und -erkennung, 512-MByte-Speicher sowie wahlweise mit Tastatur. Preise: zwischen 159 und 239 Euro.

PocketBook 602/603/902/903
Verschiedene 6- und 9,7-Zoll-Reader mit WLAN und wahlweise UMTS, 2-GByte-Speicher und wahlweise mit Touchscreen. Preise: zwischen 199 und 399 Euro.

txtr Reader (angekündigt)
6-Zoll-Readr mit EDGE/GPRS-Modem, um direkt über das Gerät online E-Books kaufen zu können. Als Speicher kommt wahrscheinlich ausschließlich eine microSD-Karte zum Einsatz, eine 8-GByte-Karte gehört zum Lieferumfang. Preis: 299 Euro

iRiver StoryiRiver Story/Cover Story
Zwei verschiedene 6-Zoll-Modelle mit Tastatur oder mit Touchscreen. Die Touch-Version hat eine Handschriftfunktion und WLAN. Speicher fasst 2 GByte. Preis: etwa 200 Euro

Übrigens: Der E-Book-Reader des Weltbild-Verlags (ein Gerät von Aluratek) sowie die Modelle von Ectaco sehen zwar auf den ersten Blick aus wie klassische Reader. Allerdings nutzten die Hersteller ein LC-Display ohne Hintergrundbeleuchtung (reflektiv). Diese sind zwar günstiger in der Herstellung, dafür aber kontrastschwach und verbrauchen relativ viel Strom. Man kennt diese Displays auch von Taschenrechnern.

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